20.05.2026

Arabica-Varietäten im Specialty Coffee – kompakt erklärt

Von Maria Wittig
Coffea Arabica

Wer sich im Specialty Coffee bewegt, stolpert früher oder später über Namen wie Geisha, SL28 oder Pink Bourbon. Dabei geht es um Varietäten, also genetische Unterarten der Coffea Arabica.

Wichtig dabei: Dieser Artikel bezieht sich ausschließlich auf Arabica-Varietäten. Zwar gibt es weltweit verschiedene Kaffeespezies – allen voran Arabica und Robusta –, im Specialty Coffee dominiert jedoch ganz klar Arabica. Der Grund: Arabica bietet meist eine größere aromatische Komplexität, feinere Säurestrukturen, mehr geschmackliche Nuancen in der Tasse und deutlich weniger Koffein. 

Wenn also auf unseren Specialty-Kaffeepackung Namen wie Bourbon, Caturra oder Geisha stehen, handelt es sich fast immer um Varietäten innerhalb der Arabica-Spezies. 

Natürlich entstehen Geschmack und Qualität nie allein durch die Genetik. Anbauhöhe, Klima, Boden, Ernte, Aufbereitung und Zubereitung haben ebenfalls großen Einfluss. Trotzdem liefert die Varietät oft bereits eine gute Orientierung, wohin die Reise geschmacklich geht.

Afrika – floral, komplex, lebendige Säure

Afrikanische Kaffees, besonders aus Äthiopien und Kenia, stehen oft für hohe Aromakomplexität und ausdrucksstarke Fruchtigkeit.

Varietät Typische Noten Besonderheit
Heirloom/Landraces Jasmin, Bergamotte, Steinobst Große genetische Vielfalt
Geisha/Gesha Floral, Tee, tropische Früchte Extrem komplex
SL28 Schwarze Johannisbeere, Zitrus Intensive Säure
SL34 Rote Früchte, Süße Vollerer Körper
Batian Fruchtig, klar Moderne resistente Züchtung

Typisch für die Tasse: Floral, saftig, komplex.

Mittelamerika – Balance und Süße

Viele Klassiker des Specialty Coffee stammen aus Mittelamerika und bilden bis heute die Basis zahlreicher Farmen.

Varietät Typische Noten Besonderheit
Typica Süß, elegant Historische Grundlinie
Bourbon Karamell, rote Früchte Hohe Qualität
Caturra Zitrus, Karamell Kompakte Pflanze
Pacamara Tropische Früchte Große Bohnen
Maragogipe Floral, delikat „Elefantenbohnen“

Typisch für die Tasse: Klar, süß, ausgewogen.

Südamerika – Schokolade trifft Frucht

Brasilien und Kolumbien prägen viele klassische Specialty-Profile, experimentieren inzwischen aber auch stark mit neuen Varietäten. 

Peru ist außerdem ein Ursprung, den man aktuell im Blick behalten sollte. In den letzten Jahren wurde dort massiv in Specialty Coffee investiert: mehr Microlots, mehr Fokus auf Qualität, bessere Verarbeitung und zunehmend spannende Varietäten wie Geisha oder Bourbon. Das Ergebnis: Kaffee aus Peru taucht inzwischen deutlich häufiger bei internationalen Wettbewerben und auf den Menüs vieler Specialty-Röstereien auf.

Varietät Typische Noten Besonderheit
Catuai Schokolade, Nuss Sehr verbreitet
Mundo Novo Nuss, Körper Hoher Ertrag
Castillo Karamell, Zitrus Widerstandsfähig
Pink Bourbon Floral, süß Stark nachgefragt
Tabi Fruchtig, klar

Hybrid-Züchtung

Typisch für die Tasse: Süße, Schokolade, zunehmend exotische Frucht.

Asien & Pazifik – Würze und Körper

In Indonesien, Indien oder Papua-Neuguinea spielen neben Qualität oft auch robuste Pflanzen eine wichtige Rolle. 

Varietät Typische Noten Besonderheit
Timor Hybrid Kräftig Arabica-Robusta-Hybrid
S795 Gewürze, Schokolade Bekannt in Indien
Java Kräuter, floral Alte Linie
Catimor Kräftig Sehr widerstandsfähig

Typisch für die Tasse: Würziger, voller, oft erdiger.

Arabica-Varietäten, die man kennen sollte - eine Übersicht

Wenn auf einer Specialty-Kaffeepackung diese Namen stehen, lohnt sich ein zweiter Blick:

  • Geisha → floral, teeartig, komplex
  • SL28 → Beeren, intensive Säure
  • Bourbon → süß und ausgewogen
  • Typica → elegant und sauber
  • Pacamara → groß, fruchtig, auffällig
  • Pink Bourbon → floral und modern
  • Catuai → klassischer Everyday-Specialty-Kaffee

Fazit

Im Specialty Coffee sprechen wir fast immer über Arabica und innerhalb dieser Spezies über unterschiedliche Varietäten. Sie sind keine Garantie für Geschmack, aber eine gute Orientierung. Wer beginnt, auf Varietäten zu achten, entdeckt schnell Muster und versteht besser, warum zwei Kaffees aus demselben Land völlig unterschiedlich schmecken können. Hinter dem Namen auf der Kaffeetüte steckt also oft bereits ein erster Hinweis darauf, was später in der Tasse landet.