08.06.2026

La Babilla – Was dieser Kaffee über die neue Generation peruanischer Produzent:innen erzählt

Von Maria Wittig
La Babilla – Was dieser Kaffee über die neue Generation peruanischer Produzent:innen erzählt

Kaffeehandel in Peru

Kaffee spielt in Peru eine wichtige wirtschaftliche und soziale Rolle. Hunderttausende Familien sind direkt oder indirekt vom Kaffeeanbau abhängig, vor allem in den ländlichen Regionen entlang der Anden. Anders als in vielen anderen Ursprungsländern stammt ein großer Teil des peruanischen Kaffees von Kleinproduzent, die häufig nur wenige Hektar Land bewirtschaften.

Für viele Gemeinden ist Kaffee nicht nur eine Einkommensquelle, sondern ein zentraler Bestandteil des lokalen Lebens. Er schafft Arbeitsplätze in Regionen, in denen es oft nur wenige wirtschaftliche Alternativen gibt, und trägt dazu bei, Infrastruktur, Bildung und regionale Entwicklung zu finanzieren.

Gleichzeitig steht die Branche vor Herausforderungen. Schwankende Weltmarktpreise, Pflanzenkrankheiten wie Kaffeerost und die Folgen des Klimawandels setzen viele Produzent unter Druck. Besonders Kleinfarmer sind von diesen Entwicklungen betroffen.

Umso wichtiger werden Strukturen, die Qualität belohnen und langfristige Perspektiven schaffen. Der Specialty-Coffee-Sektor spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Durch höhere Preise, direkte Handelsbeziehungen und eine stärkere Sichtbarkeit der Produzent können Farmen wirtschaftlich unabhängiger werden und stärker in Qualität, Nachhaltigkeit und die Zukunft ihrer Betriebe investieren.

Die Entwicklung von Regionen wie Cajamarca zeigt, wie sich Peru in den vergangenen Jahren verändert hat. Wo früher vor allem große, anonyme Exportmengen im Mittelpunkt standen, entstehen heute immer mehr Kaffees mit klarer Herkunft, nachvollziehbaren Produktionsbedingungen und direktem Bezug zu den Menschen, die sie anbauen.

Von anonymen Lots zu rückverfolgbaren Kaffees

Das Land produziert enorme Mengen hochwertigen Arabicas, verfügt über einige der höchsten Anbaugebiete Südamerikas und zählt zu den wichtigsten Bio-Kaffeeproduzenten der Welt. Trotzdem stand Peru lange im Schatten seiner Nachbarn. Genau das beginnt sich zu ändern.

Ein Grund dafür liegt in der Struktur des peruanischen Kaffeesektors. Die meisten Produzent bewirtschaften kleine Farmen von nur wenigen Hektar. Lange Zeit wurden ihre Ernten über lokale Sammelstellen zusammengeführt und als größere Lots exportiert. Die Qualität war oft hoch, die Rückverfolgbarkeit jedoch gering.

In den vergangenen Jahren hat sich das verändert. Immer mehr Kooperativen und Exporteure arbeiten daran, Produzent sichtbar zu machen und Kaffees bis zur einzelnen Farm zurückzuverfolgen. Dadurch entstehen Microlots mit klarer Herkunft und Produzenten erhalten die Möglichkeit, sich über Qualität zu differenzieren.

Cajamarca – das Herz des peruanischen Kaffees

Unser neuer Kaffee stammt von David Guevara Cotrina, Produzent der Finca Flor de la Montaña in Chirinos, Cajamarca.

Die Region Cajamarca im Norden Perus gilt inzwischen als eines der spannendsten Specialty-Gebiete Südamerikas. Rund ein Viertel des gesamten peruanischen Kaffees stammt aus dieser Region. Die Kombination aus hochgelegenen Andentälern, fruchtbaren Böden und einem vergleichsweise trockenen Tropenklima schafft ideale Voraussetzungen für langsames Reifen der Kaffeekirschen und hohe Komplexität in der Tasse.

Viele Produzent arbeiten hier auf kleinen Farmen von weniger als fünf Hektar. Die Anbauhöhen liegen häufig zwischen 1.700 und 2.200 Metern. Die warmen Tage und kühlen Nächte sorgen dafür, dass die Kirschen langsam reifen und mehr Zeit haben, Zucker und Aromavorstufen auszubilden.

Genau diese Bedingungen haben Cajamarca in den letzten Jahren zunehmend auf die Landkarte internationaler Specialty-Röster gebracht.

Die Finca Flor de la Montaña

David bewirtschaftet seine Farm auf rund 4,5 Hektar. Etwa 2,5 Hektar davon liegen unter Schattenbäumen. Was früher eher als traditionelle Anbauweise galt, wird heute für viele Produzent wieder zu einem wichtigen Werkzeug gegen Klimastress, Bodenerosion und steigende Temperaturen.

David gehört zur jungen Kooperative Lima Coffees und sitzt selbst im Vorstand. Die Kooperative wurde aufgebaut, um genau das sichtbar zu machen, was Peru lange gefehlt hat: Produzenten mit Namen, Herkunft und eigener Geschichte.

Während peruanische Kaffees früher häufig als große Sammellots exportiert wurden, können heute immer mehr Microlots bis zur einzelnen Farm zurückverfolgt werden. Importpartner wie Cafe Imports fördern diese Entwicklung seit mehreren Jahren aktiv.

Caturra – eine klassische Varietät mit großem Potenzial

Auf Flor de la Montaña wächst die Varietät Caturra auf etwa 1.850 Metern Höhe.

Caturra entstand vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts in Brasilien als natürliche Mutation der Bourbon-Varietät. Durch ihre kompaktere Wuchsform können die Pflanzen dichter gesetzt werden und erleichtern die Bewirtschaftung kleiner Farmen. Aus diesem Grund verbreitete sich Caturra im Laufe der Jahrzehnte in vielen Kaffeeanbaugebieten Lateinamerikas und wurde zu einer der wichtigsten Arabica-Varietäten der Region.

Besonders in hohen Anbaulagen zeigt Caturra ihr Potenzial. Die langsamere Reifung der Kaffeekirschen fördert die Ausbildung komplexer Zuckerstrukturen und sorgt häufig für eine ausgeprägte Süße sowie eine klare, transparente Tasse. Statt spektakulärer Einzelaromen steht hier oft die Balance im Vordergrund: saubere Frucht, strukturierte Säure und ein harmonischer Gesamteindruck.

Gerade deshalb passt Caturra hervorragend zu Regionen wie Cajamarca. Die Kombination aus Höhenlage, gemäßigten Temperaturen und sorgfältiger Aufbereitung bringt Kaffees hervor, die weniger durch Intensität als durch Präzision überzeugen.

Auch unser Flor de la Montaña zeigt genau diese Eigenschaften. Die Noten von Kumquat, Apfel und Haselnuss wirken klar voneinander abgegrenzt und dennoch harmonisch miteinander verbunden. Ein Beispiel dafür, dass außergewöhnlicher Kaffee nicht immer auf seltenen Varietäten beruhen muss, sondern oft auf dem Zusammenspiel von Herkunft, Anbau und handwerklicher Verarbeitung.

Washed Coffee in seiner reinsten Form

Die Ernte beginnt bei David im Mai und reicht bis in den Oktober. Die reifen Kirschen werden selektiv gepflückt und noch am selben Tag entpulpt. Anschließend fermentieren die Bohnen für etwa 12 bis 18 Stunden in offenen Tanks. In den kühlen Nächten von Chirinos kann dieser Prozess auch etwas länger dauern.

Danach wird der Kaffee gewaschen und je nach Wetter auf Patios, erhöhten Trocknungsbetten oder in Parabol-Trocknern getrocknet.

Das Ergebnis ist ein klassischer Washed Coffee. Während in den vergangenen Jahren immer mehr anaerobe, experimentelle oder stark fermentierte Kaffees Aufmerksamkeit bekommen haben, zeigt ein guter Washed Coffee oft besonders deutlich, was Herkunft, Varietät und Anbau tatsächlich ausdrücken können.

So schmeckt La Babilla

In der Tasse finden wir Kumquat, Apfel und Haselnuss.

Die Kumquat-Note ist dabei besonders spannend. Im Gegensatz zu vielen anderen Zitrusfrüchten verbindet Kumquat eine feine Frische mit einer fast marmeladigen Süße. Dadurch wirkt die Säure präsent, aber nie aggressiv.

Der Apfel erinnert eher an gelbe oder rote Äpfel als an grüne: saftig, rund und süß. Zusammen mit der nussigen Süße entsteht ein Profil, das klar, ausgewogen und angenehm vielschichtig wirkt.

Gutes Schlürfen!

Der Kaffee wird uns im Juni und Juli im Ausschank begleiten, sowie natürlich als Packung erhältlich sein. Gutes Schlürfen!